Der Wolf

 

Als ich ihn das erste Mal traf war er zurückhaltend, nicht scheu, aber vorsichtig, denn er war der Herrscher über ein mächtiges Rudel, ich selbst war eine Wölfin und keine Herrscherin, aber auch ich war vorsichtig. Manchmal saß ich an einen Baum gelehnt und sah ihnen nur zu und bald schon waren sie da und mir ganz nah. Wir balgten uns und hatten viel Spaß. Er jedoch betrachtete alles in Ruhe aus einem Abstand heraus, doch konnte ich ihn fühlen. Wir begannen zu reden auf eine seltsame, mir noch nicht vertraute Weise.

Er erzählte mir von der Jagd, von dem Reißen der Beute, dem Hetzen und dem Biss. Immer mehr konnte ich verstehen, was er mir sagte und so begann ich von ihm zu lernen. Dinge zu lernen, die in mir waren, die ich lebte. Es war ein erschreckendes Erkennen meiner Seele.

Das Blut rann aus einer Wunde an meinem Hinterlauf als mich einer aus dem Rudel forderte, denn mittlerweile war ich ein Teil von ihnen geworden. Es war der Tag, an dem er mein Blut leckte und ich spürte, wie sich Gier und Führsorge vereinten und beides stillte. Die Wunde war bald verheilt und von diesem Tag an, lag er immer bei mir, bis zu seinem Tod.

Seinen Kopf in meinen Armen auf meinem Schoß spürte ich, dass er gehen würde und es war still, eine Stille die nicht irdisch war.

Bilder liefen durch meine Gedanken als wir uns ansahen, es war wie eine Ewigkeit, zeitlos....

Diese Bilder, die ich immer wieder sehe, seine Zähne an meinem Hals, ein Biss von ihm hätte genügt. Seine Wildheit wenn wir uns balgten und seine Kehle, die er mir anbot, alles Bilder voller Gefühle.

So lag er da um zu gehen. Er sprach kein einziges Wort aber seine Blicke erzählten Bände. Dann hörte sein Herz auf zu schlagen und da wusste ich, seine Seele wird nicht mehr zurückkehren und sein Licht wird strahlen, es wird leben und er wird sehen, er ist da. Ich hörte sein Heulen.

Irgendwann spürte ich  wie der Alphawolf meine Tränen leckte. Ich kam zu mir und lag immer noch neben dem toten Wolf. Der Alphawolf legte sich zu meinen Füßen und ich wusste dass ich gehen musste, denn niemals hätte ich seinen Platz einnehmen können auch wenn er mir seinen Platz angeboten hatte.

Dieses vertraute Heulen, ein ähnliches hörte ich wieder, diesmal sehr laut und sehr nah. Ich folgte diesem Heulen und wusste, ich bin zu Hause. So wie er in mir ist, werde ich in ihm sein und und in diesem Heulen war er und es wird eine Kraft sein, eine Wildheit, es wird Blut fließen, die Zähne werden die Haut durchbohren, und es wird ein verschmelzen dieses Teils in Liebe und Urgewalt zu dem Sinn sein, so wie Führsorge und Gier es begonnen zu haben.

Seines ist meines und meines ist seins, in der Farbe der Sonne gemischt mit dem Schatten des Mondes. So rinnt es zusammen zu einem einzigen Strom, der angetrieben durch die vereinte Kraft des schlagenden Kerns heraus fließt, wie eine lebendige Quelle.

Tief aus dem Innern, nahe dem Ursprung , benetzt es die Lippen, lässt die Augen leuchten und lässt die Sehnsucht in die Unendlichkeit schweifen.

Es erfüllt jeden der Sinne und es breitet sich aus. Dann verlässt es die Sinne und löst alles körperliche auf. Es lässt den Ursprung erahnen und fühlen.

Es ist ein Verlangen, eine Sehnsucht, eine Erfüllung, eine Wiedervereinigung Zweier, die ein Wesen sind, immer schon.

 

 

 

 

 

Gefühle die ein Mensch hat sind ehrlich

sie müssen leben auch wenn sie schmerzen

Gefühle die ein Mensch zeigt sind ehrlich

sie müssen gesehen werden auch wenn es schmerzt

So ist die Wahrheit immer in dir

auch wenn sie schmerzt

für immer  

 

 

 

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