In Erinnerung

an die wundervollsten Großeltern der Welt

 

 

Steh nicht am Grab mit verweintem Gesicht

Ich bin nicht da, ich schlafe nicht

Ich bin im Wind, der weht über die See

Ich bin das Glitzern im weißen Schnee

Ich bin die Sonne auf reifender Saat

Ich bin im Herbst

in der goldenen Mahd

Wenn du erwachst im Morgenschein

werd ich immerdar um dich sein

Bin im Kreisen der Vögel

am Himmelszelt

Ich bin der Stern, der die Welt erhellt

Steh nicht am Grab in verzweifelter Not

Ich bin nicht da

Ich bin nicht tot

 

 

 

So viele Jahre sind nun schon vergangen, da ihr beiden uns voraus gegangen seid. In Erinnerungen und meinen Träumen seid ihr noch heute so lebendig wie eh und jeh. Immer noch höre ich eure Stimmen und dann weiß ich, daß ihr da seid.

 

Euer irdisches Leben war nicht immer leicht und die beiden Weltkriege trugen nicht wenig dazu bei. Alles hat man euch genommen, vertrieben aus der Heimat, doch eurem Stolz und eurer Herzlichkeit konnte niemand etwas anhaben. Die Kinder waren der Inhalt immer schon und bald folgten Enkel und Urenkelchen. Ihr habt das einfach wunderbar hinbekommen und mit unendlicher Geduld und einzigartiger Liebe. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen.

 

Ihr seid unvergessen und für immer in meinen Gedanken

 

 

 

Banater  Donauschwaben

nannte man euch, denn eure Vorfahren hat man ins Land geholt um diese Gegend im Banat zu besiedeln und zu bewirtschaften. Über die Donau seid ihr gekommen und über die Donau hat man euch wieder verjagt. Eure Heimat Miletitsch im heutigen Serbien konnte ich bis heute leider noch nicht besuchen. Vielleicht wäre es aber auch nur eine Enttäuschung denn es erinnert dort kaum noch etwas an eure Zeit und schrecklich ist der Gedanke, daß bis zum heutigen Tage dort immer noch die gleichen grauenvollen Kriegsverbrechen geschehen. Man hat vieles verkommen lassen und fremde Menschen bewohnen eure Häuser. Die Erde ist blutgetränkt. Es geschah damals wie heute viel Unrecht aber ich denke, man muß diese Dinge der Zeit überlassen.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

           

Banater Wappen

 

Kirche und Marktplatz in Miletitsch

 

 

 

 

Was mir sehr zu Herzen ging, war ein Bericht eures damaligen Dorfkaplans, den ich im Netz gefunden habe. Ich kannte viele Grausamkeiten schon aus euren Erzählungen, aber was dieser Mann da aufgezeichnet hatte, ließ mich erschaudern und die tiefe Verzweiflung war regelrecht lebendig. Tränen rannen mir übers Gesicht, denn ich erkannte in dieser Erzählung Personen, Menschen die mir selbst so nahe standen.

 

Hier nur ein kleiner Auszug aus dem Aufzeichnungen des Kaplans Karl Pfuhl aus Filipovo:

 

Die Internierung der deutschen Bevölkerung von Filipovo und einigen benachbarten Gemeinden Ende März und Juni 1945; die Verhältnisse im Konzentrationslager Gakovo bis Dezember 1947.

Es kam der Karsamstag, der 31. März 1945. Nichtsahnend feierten wir in der Kirche die Zeremonien und die Auferstehungsmesse. Als wir gegen 9 Uhr die Kirche verließen, sahen wir vom unteren Ende des Dorfes Menschen mit Bündeln auf dem Rücken in schwarzen Scharen heraufkommen. Am unteren Ende des Dorfes gingen Partisanen von Haus zu Haus und trieben die Menschen heraus. Es wurde allen zur Gewißheit: Das Ende unseres Dorfes ist gekommen. Alle, Einheimische und Jene, die erst vor einigen Tagen hergebracht worden waren, mußten die Häuser verlassen und sich auf die Wiese begeben, die oberhalb des Dorfes lag. Soweit man noch Zeit hatte, packte man in die bereitstehenden, wohlweislich vorbereiteten Rucksäcke ein, was man schnell greifen konnte, warf vielleicht noch einen Blick auf alles, was man sein Eigen nannte, und zog hinaus. Wer säumte, wurde durch Hiebe mit dem Gewehrkolben der Partisanen zur Eile getrieben. Nur das Pfarrhaus und das Schwesternkloster wurden verschont.

Auf der Wiese waren so ungefähr 5000 Menschen. Und dort wurde jetzt die Zerreißung der Familien vorgenommen. Was jung und arbeitsfähig war, wurde auf die eine Seite gestellt, Kinder und alte Leute auf die andere. Viele Mütter wurden von ihren Kindern gerissen und den Arbeitsfähigen zugeteilt. Um die Kinder mußten sich die Großeltern und Nachbarsleute kümmern. Zum Ruhme der Mütter darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich sehr viele in einem unbewachten Augenblick zu ihren Kindern hinüberstahlen. Vielleicht regte sich auch bei manchen Partisanen die Menschlichkeit, als sie all diesen Jammer mitansahen, und sie drückten ein Auge zu, um nicht zu sehen, wie die Mütter zu ihren Kindern zurückgingen.

Alles, was einen gewissen Wert hatte, wurde ihnen weggenommen. Selbst die Kleider, die sie auf dem Leibe trugen, wurden kontrolliert, und was den Partisanen gefiel, mußte abgelegt werden. Besonders aber hatten sie es abgesehen auf Geld und Schmucksachen. Selbst die Eheringe von den Fingern mußten restlos abgegeben werden. Um die Leute gefügig zu machen und um ihnen Angst einzutreiben, damit ja nichts verheimlicht werde, wurde öfters eine sinnlose Schießerei veranstaltet. Dies zog sich bis in den Abend hin.

Die schon Ausgeplünderten wurden an die Bahn gebracht, dort in Viehwaggons gesteckt und fortgebracht. Allmählich wurde bekannt, daß Gakovo, ein Dorf nahe der ungarischen Grenze, der Bestimmungsort sei. Das ganze Dorf wurde zu einem Konzentrationslager für Deutsche umgewandelt. Über die Hälfte der Menschen konnte in dem einen Zug nicht mehr untergebracht werden und mußten noch zwei Tage warten, bis auch sie fortkamen.

Am 11. März 1945 (Sonntag) während der Frühmesse wurde ich vom damaligen Gemeindenotär Milivoj lzbradic aufgefordert, den Gläubigen mitzuteilen, sie mögen die Kirche sofort verlassen. Durch Trommelschlag wurde überall in der Gemeinde bekanntgegeben, daß alle Deutschen und alle Ungarn mit deutschen Familiennamen nach Hause gehen und nach einer Stunde mit Gepäck am Marktplatz erscheinen sollen. Ihre Häuser mögen sie verschließen, den Schlüssel am Haustor anbringen. Apatin war zu dieser Zeit von Partisanen umringt. Partisanen gingen von Haus zu Haus, trieben alle Deutschen, alte und kranke, gebrechliche, Säuglinge und Greise, aus den Wohnungen und aus den Betten. Ich sah eine Frau, die ihren alten kranken Mann auf dem Karren fuhr. Ich sah Frauen mit Kinderwagen, Krüppel auf Karren und Kinderwagen, Partisanen schlugen auf die Leute drein. Etwa sechs. bis siebentausend Personen wurden in den Nachmittagsstunden zu Fuß über Sombor nach Gakovo und Kruievlje ins Konzentrationslager getrieben. Unterwegs brachen bereits einige zusammen und blieben tot im Straßengraben liegen.

Am 13. April 1945 mußten wir alles Geld, Uhren, Ringe, Ohrgehänge, sämtlichen Schmuck und alle Wertgegenstände abliefern. Wir mußten deshalb alle am 13. April, um 4 Uhr morgens auf der Straße Aufstellung nehmen. Die Geld- und Schmuckablieferung dauerte bis 14. April, 5 Uhr morgens. Solange mußten alle Lagerinsassen mitten auf der Straße Aufstellung nehmen, auch die Frauen mit kleinen und kleinsten Kindern. Bei der Ablieferung wurden auch Stichproben gemacht, ob die Häftlinge auch alles restlos abgeben. Der Lagerkommandant, unter dessen Aufsicht die Ablieferung erfolgte, war ein Zigeuner. Der Gutsverwalter des Hotters Kruschewlje, der auch mitwirkte, war ein Jude. Bei zwei Frauen aus Kruschewlje, es war eine ältere und eine junge 2ljährige Frau, fand man noch Geld und bei der jungen noch außerdem ein Bild ihres Mannes. Beide wurden vor der Masse der angetretenen Lagerhäftlinge sofort erschossen. Die Frauen weinten bitterlich, besonders die junge, die den Lagerkommandanten kniend um Gnade anflehte und ihm die Füße küßte und immer wieder bat, man möge sie am Leben lassen, da sie doch ein vier Monate altes Kind habe, das allein in der Welt zurückbleibe. Das Urteil wurde aber ohne Nachsicht vollstreckt. Auch sonst nahmen die Partisanen den Lagerinsassen bei Zimmervisitationen immer etwas von den letzten Stücken ihrer Habe, besonders noch gut erhaltene Kleidungsstücke weg. Zu diesem Zwecke veranstalteten sie von Zeit zu Zeit regelmäßige Razzien. In Kruievlje, einem Nachbarort, der ebenfalls in ein Lager umgewandelt worden war, wurden zwei Frauen gefangengenommen; man führte sie vor das Gemeindeamt, und dort wurden sie im Angesicht ihrer Kinder erschossen. Nachher wurden sie auf einen Schubkarren geladen und auf den Friedhof gebracht, während ihre Kinder nebenher gingen. Eine von diesen Frauen war noch nicht tot, unterwegs zum Friedhof kam sie zu sich, sah ihre Kinder neben sich und sagte ihnen: "Kinder, Eure Mutter muß sterben, weil sie Euch so gern gehabt hat. Bleibt brav." Es kam ein Partisane hinzu und schoß ihr aus seiner Pistole eine Kugel durch den Kopf. Später kamen ihre Kinder nach Gakovo ins Kinderheim. Als ich eines dieser Kinder dort fragte. ein Mädchen von ungefähr zwei Jahren: "Rosi, wo ist deine Mutter"? sagte es: "Schossen" (erschossen).

Kinder, die ohne Eltern blieben - und ihrer wurden jeden Tag mehr - kamen in die sogenannten Kinderheime. Das waren Häuser, in die die Kinder gebracht wurden und in denen einige Mädchen und Frauen sich um diese Kinder sorgen mußten. Aber auch hier sah es nicht besser aus als in den anderen Häusern. Die Kinder lagerten auch dort auf Stroh, und auch die Kost war kaum merklich anders als bei den Erwachsenen. So kam es, daß dort besonders viele Kinder an Unterernährung und Skorbut litten. Wurden die Kinder krank, kamen sie in die sog. Kinderspitäler. Man mache sich aber von diesen "Spitälern" keinen falschen Begriff. Es waren darin wohl Betten, aber viel zu wenige, so daß oft im gleichen Bett 3-4 Kinder liegen mußten. Diese Kinderspitäler boten wohl den traurigsten Anblick im ganzen Lager. Bis auf Haut und Knochen abgemagert, lagen die Kinder in den Betten, oft zu schwach, um zu rufen, selbst ihr Weinen war kein kindertümliches Weinen, die Blicke voll stummer Trauer und Leid, dem Blick eines verwundeten Tieres ähnlich, eine einzige Anklage des Unrechtes, das ihnen angetan wurde. Man mußte sich hart machen, um dort ohne Tränen hinausgehen zu können.

Später waren es immer mehr Tote, und niemand war mehr da, der sie hätte hinausbringen können. Dann fuhren Pferdewagen durch das Dorf. Darauf wurden die Toten gelegt, oftmals in mehreren Schichten, wie man ehemals die Garben zusammenfuhr. Vor dem Friedhof wurden sie auf große Haufen aufgestapelt und mußten dort bleiben, bis sie von den Totengräbern in die Massengräber gebracht und mit Erde zugedeckt wurden. Schon lange war im Friedhof kein Platz mehr. Darum fing man an, hinter dem Friedhof Massengräber auszuheben. Dahinein wurden die Toten gelegt, einer dicht neben dem anderen. War eine Schicht voll, wurde etwas Grund darauf geschüttet und es kam eine neue Schicht.

Zum Ruhme der Schwestern soll nicht unerwähnt bleiben, daß sie sich um die zurückgebliebenen Kranken kümmerten, sie sammelten und in ihrem Kloster ein provisorisches Spital eröffneten, für sie sorgten, bis sie entweder starben oder später auch noch nach Gakovo gebracht wurden. Nie hätte ich früher gedacht, daß Schwestern so erfinderisch sein könnten und solches Talent zum Organisieren hätten, um über 40 Kranke zu pflegen und ihnen die nötigen Lebensmittel beizuschaffen.. Die Liebe Christi ist eben auch erfinderisch.

 Eine Dorf- und Pfarrgemeinschaft wurde so endgültig vernichtet. Die Zurückgelassenen mußten bei unzureichender Kost und unter vielen Schikanen schwerste Arbeit " Sklavenarbeit " auf den eigenen Feldern und in den Hanffabriken für die Zwingherren verrichten. Einige Monate später wurden aus südlichen Landstrichen Jugoslawiens, vorwiegend aus der Nord-Lika, aus der Gegend von Gracac, orthodoxe Serben ins Dorf gebracht und in die freien Häuser eingewiesen. So wurden mit der Zeit Arbeitskräfte frei und allmählich ins Konzentrationslager Gakovo gebracht. Die letzten zurückgelassenen Deutschen verließen Anfang 1947 das Dorf, das ihnen einst Heimat und alles war.

 

 

 

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